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Spielleute im Mittelalter

Auf jedem größeren Markt, zu den Turnieren, den Schützen- und Kirchweihfesten und überall dorthin, wo sich große Menschenmengen sammelten, zog natürlich auch das fahrende Volk.

Zunächst allgemein als Ioculator bezeichnet spezialisierten sich in der ersten Hälfte des 12. Jahrunderts die Gewerbe zusehends und trennten sich in die Gaukler - also die Possenreißer, die Feuerschlucker, die Akrobaten und Joungleure und die Spielleute - also Musiker und Tänzer.

Überall dort, wo sie eintrafen wurde es laut und bunt, doch was nach Aussen hin so fröhlich und munter wirkte, konnte im Alltagsleben der Fahrenden oftmals beschwerlich sein. Die Spielleute gehörten zu den Randgruppen der mittelalterlichen Gesellschaft - sie waren in keine Gemeinschaft, wie einer Zunft oder Dorfgemeinschaft, eingebunden. Sie gehörten nirgendwo dazu und waren anders als die "normalen" Bürger, Handwerker und Bauern - allein schon dadurch verdächtig zählte man sie in so mancher Gegend gar zu den "unehrlichen" Berufen.

Vielfach spielte der Neid auf ihre Freiheiten eine große Rolle, denn sie waren an keinen Ort gebunden und lebten nicht unbedingt nach kirchlichen und gesellschaftlichen Moralregeln. Dennoch waren sie mehr als alle anderen Berufe von der Gunst ihrer Mitmenschen abhängig. Solange sie an einem Adelshof auftreten konnten, ging es ihnen gut, doch diese Vorzüge genossen auf deutschem Boden nur die Wenigsten - im Gegensatz zu England und vor allem Frankreich.

Die Meisten waren von Geburt an auf Reisen, ihre Eltern hatten keinen anderen Beruf erlernt, also reisten sie mit und übernahmen die Unterhaltungskunst. Zudem mußten in Kriegszeiten und nach größeren Hungernöten oder Seuchen viele Menschen ihr Handwerk aufgeben und sich nach anderen Erwerbsquellen umsehen. Dasselbe galt für Kleriker, die keine Anstellung fanden, viele zurückkehrende Kreuzfahrer oder auffällig gewordene Nonnen und nicht selten Witwen - und wer im Mittelalter einmal in die Randständigkeit abgeglitten war, konnte sich nur schwer wieder daraus hervorarbeiten. Daneben gab es natürlich auch adelige Fahrende oder solche von reicher bürgerlicher Herkunft. Die Gründe, warum sie auf Wanderschaft gingen konnten vielseitig sein. Neben der Verarmung spielte die Langeweile an den Fürstenhöfen eine gewisse Rolle, welche die jungen Männer dazu veranlasste, ihre gesicherte Existenz gegen ein abenteuerliches Leben auf der Straße einzutauschen - was sie aber in der Regel schnell bereuten. In erster Linie aber sicherlich das Vererbungsrecht, das den Erstgeborenen faktisch alles zuschlug. Wer als Nachgeborener nicht ins Kloster gehen oder sich als Söldner verdingen wollte begab sich vielfach auf Wanderschafft.

An diesen Gruppierungen orientiert Valkenviur seine Darstellung.